der Tisch

Ein Film von Annika Hofgesang 11 September 2019 - 7'37

Der Kurzfilm „der Tisch“ handelt in surrealen Bildern von einer jungen Frau, die von ihren Erinnerungen verfolgt wird und durch bestimmte Berührungen oder Sinneseindrücke in die Vergangenheit zurück versetzt wird. Erinnerung hängt wie ein Zauber in einer Tränenvase fest. Tränen versinnbildlichen Vergangenes. Der Weg entlang des Ufers und die Zeit im Restaurant spielen in der Gegenwart. Eine aufgebaute Kulisse mit Sternenhimmel und Sonnenuntergang im Hintergrund schotten sie von der Umwelt ab. Melancholische Stimmung breitet sich über die Szenerie. Langsam in kläglicher Routine fließt die Zeit. Die Berührung der fragwürdigen servierten Speisen ruft Emotionen hervor, was dem Film wiederum Dynamik verleiht. Wir sehen einen Kellner, der sie durch das Servieren fragwürdiger halluzinogener Lebensmittel in die Szenerie der Vergangenheit eintauchen lässt. Durch ihr anfangs vom Glitzerstaub sprudelndes Wasser ausgelöst erscheint zum ersten Mal ein vertrauter Seemann .Welches Verhältnis sie zum Restaurant und dem Kellner hat, bleibt offen. Alle Erinnerungen laufen in ihrem Stammrestaurant am Tisch zusammen. Am Anfang läuft sie am Ufer entlang dorthin, am Ende von dort zurück, bis der Film ausblendet. Durch das Zurückstellen der Uhrzeiger sowie die Bestellung der Muscheln an Nachbartisch gelangen wir in die Szenerie verflossener Liebe, die am Ende mit einem Lächeln zuversichtlich in die Zukunft weist.

Gedicht zum Kurzfilm (2015; Annika Hofgesang)

Sonnenuntergang auf engsten Raum

In leeren Gassen

Und ein Bild im Bild

Gedruckt auf großem Reispapier

Und ich sitze irgendwo dazwischen

Von oben fallen die Sterne in meinen Glas

Mit stillem Wasser

Besiedeln meine Zunge wie tausend Ameisen

Unterm Himmelszelt aus LED

Ich schlucke die prickelnde Brause

Und halte den Tisch aus feinsten Fasern ganz fest

Dieser erzählt nun eine Geschichte mehr

Und jedes Jahr erreicht mich der Geruch einer toten Muschel

Ich schaue auf die Uhr

In Gedanken versunken ballt sich nun ein gewaltiger Schatten

Mein Fleisch wird nun serviert

Zartrosa und regungslos vor meinen schmachtenden Augen und vorbei

Zieht eine Meeresbrise so weit entfernt

Es sind die Gerüche einer langen Reise

Und die Träne, eine Brise Salz auf meinem Fleisch

Nach langem Überlegen stell ich die Uhr wieder gerade

Hier tanzen die beiden noch Walzer auf der weißen Scheibe

Der Grund, weshalb mein linker Arm zittert

Rund um die Uhr

Ich verlasse den Tisch

Von der Ferne betrachtet nicht mehr im Detail versunken

Sieht man keine Fasern mehr

Und die Stütze auf der ich saß

Wird bald wiederbelebt

Zum nächsten Film
mit

Kurzfilmwettbewerb „Grenzenlos“

Kurzfilmwettbewerb „Grenzenlos“

„Kurzschluss“ organisiert ab dem 01. Februar 2019 einen Kurzfilmwettbewerb zum Thema „Grenzenlos“. Eingereicht werden können deutschsprachige fiktionale Filme, die ab dem 1.1.2017 entstanden sind. Teilnehmen können Filmemacherinnen und Filmemacher ab 18 Jahren. Die Länge der Filme beträgt maximal 15 Minuten inkl. Credits.

Vom 01 Februar 2019 bis 30 September 2019